Hotelchefin ist auf die Sau gekommen

Von HENRIK NITZSCHE OZ-Foto: H. Nitzsche

Lange Schnauze, borstiges Haarkleid, Mischung aus Hängebauch- und Wildschwein - "Lilly" ist seit drei Jahren Hotelgast in Zinnowitz.

Zinnowitz. "So eine Sauerei!", "Was ist das nur für eine Schweinerei!" Wenn der Mensch flucht, muss oft das Borstenvieh herhalten. Wer nicht gerade beruflich mit Schweinen zu tun hat, wünscht sich wohl kaum Kontakt zu diesen Vierbeinern. Sabine Schlechter aus Zinnowitz ging es da nicht anders. Seit 13 Jahren führt sie die "liebenswerten Drei" - eine Hotelgruppe an der Zinnowitzer Promenade mit den Häusern "Vineta", "Residenz" und "Chalet". Neben dem Dobermann schwirrt noch eine Katze durchs Haus. Genug Haustiere, sollte man meinen. Bis ihr Geburtstag vor drei Jahren zu einem tierischen Abenteuer wurde, das sie heute ständig begleitet. Rückblende! "Mein Bruder fragte damals nach meinem Geburtstagswunsch. Ich las zufällig in der Zeitung eine Annonce. Nahe Neustrelitz wurde ein Mini-Schwein verkauft", erinnert sich die Hotelchefin. "Ich wünsche mir ein Schwein", scherzte sie in der Familienrunde. Ihr Bruder Uwe hielt das ganz und gar nicht für einen Scherz. Er setzte sich ins Auto Wenn es Leckerlis gibt, kuschelt sich "Lilly" an Frauchen. Zur Verwunderung der Hotelchefin läuft seit 2004 im ZDF eine Serie.

Die Darstellerin im Film heißt Sabine, das Schwein "Lilly". Welch ein Zufall! und kehrte mit einem kleinen Ferkel zurück. Schleifchen rum, fertig war das Geburtstagsgeschenk! "Wer hat Ahnung von einem Schwein", so die erste Reaktion der überraschten Schwester. "Das Tier war ganz scheu, es kam aus dem Stall" Da Sabine Schlechter ihre Wohnung im Hotel hat, wurde die Sau zwischen Rezeption und Gästezimmern schnell heimisch. Mittlerweile ist das Tier mit der "Steckdosen-Schnauze" gut einen Meter lang. Rund 40 Kilo bringt es auf die Waage. Sabine Schlechter hat sich bei ihrer "Lilly" für Halbpension entschieden. Morgens und abends Obst, Gemüse oder Körnerfutter. "Endlich habe ich jetzt einen Züchter von Mini-Schweinen gefunden, der uns mit Futter beliefert." Morgens gegen 7 Uhr heißt es für die Zinnowitzerin: Ich lass' die Sau raus. Dann geht es vom Zwinger ins Hotel. Gegen 19 Uhr zieht sich der "Hotelgast" in die umfunktionierte Hundehütte zurück. "Das ist mittlerweile wie ein Ritual", so Sabine Schlechter, die im Sommer 42 Mitarbeiter beschäftigt, im Winter 24. "Lilly" ist der Liebling ihrer Crew.

Den Gästen geht es nicht anders. "Manche gucken erst, dann finden sie es lustig." So wie eine Dame im Sommer auf der Terrasse. Sie meinte ganz aufgeregt zur Bedienung: "Sehen Sie mal, da läuft ein Hund, der sieht aus wie ein Schwein." Typisch "Lilly", denn sie beschränkt sich bei ihren täglichen Spaziergängen nicht nur aufs Hotel. Sie tobt auf der Wiese mit dem Hund oder büxt auch schon mal von zu Hause aus. "Einmal bekam ich einen Anruf vom Trassenheider Campingplatz. Da hatte jemand mein Schwein erkannt und mich sofort informiert. So bekam ich Lilly zurück. Schwein gehabt", sagt sie und krault ihrem ständigen Begleiter das borstige Haarkleid. Wie gut das Duo mittlerweile eingespielt ist, zeigen die kleinen Kunststücke von "Lilly". "Saustark", könnte man beim Zusammenrollen des Teppichs, beim Schließen der Tür oder dem Bringen der Zeitung sagen. Obwohl Sabine Schlechter ihre tierische Freundin nach so langer Zeit nicht mehr missen möchte, meint sie: "Ich rate allen davon ab, ein Schwein zu verschenken".

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